Schwindel lässt den Boden schwanken

schwindel1.pngSeit ich Menschen mit Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, insbesondere Krebs, betreue, kommen auch immer wieder Erkrankungen, die nicht unbedingt nur die Bauchspeicheldrüse betreffen, zur Sprache. Oftmals kann ich hier aus eigener Erfahrung berichten, denn auch ich muss mit der einen oder anderen Unpässlichkeit umgehen.

Vor einigen Wochen wachte ich morgens auf und wollte wie gewohnt aufstehen, doch ich konnte nicht. Um mich herum drehte sich alles, ich hatte das Gefühl, ich sitze in einem Karussell, das sich immer schneller und schneller drehte.
Ich legte mich wieder hin und nach einiger Zeit konnte ich wenigstens aufstehen, doch ich hatte Mühe, geradeaus zu gehen. Ich schwankte, der Boden fühlte sich an, als würde ich über ein Wasserbett laufen.
War es Zufall oder Fügung? Wenige Tage zuvor rief mich ein Mitglied von TEB e. V. an und schilderte mir, dass sie seit Tagen unter Schwindel leidet. „Katharina, ich war beim Hausarzt, Hals-Nasen-Ohrenarzt, Orthopäden und auch beim Neurologen. Es wurden unzählige Untersuchungen gemacht, man suchte nach der Nadel im Heuhaufen.

Es wurden die verschiedensten Fragen gestellt, wie. z. B. wann und wie hat der Schwindel angefangen, wie fühlt sich der Schwindel an, tritt er nur bei körperlicher Anstrengung oder bestimmten Bewegungen auf, ist der Schwindel auch von Übelkeit und Brechreiz begleitet? Leider konnte ich keine eindeutige und klare Antwort geben. Ich hatte das Gefühl, es war von allen Symptomen etwas dabei. Ich war einfach nicht mehr in der Lage, meine Bewegungen und Schritte zu koordinieren.“
Sofort war dieses Gespräch bei mir wieder präsent, und ich vereinbarte einen Termin bei meinem Hausarzt. Dieser schickte mich zu meinem Hals-Nasen-Ohrenarzt, bei dem ich schon lange in Behandlung bin. Nach einer kurzen Besprechung wurden verschiedene Untersuchungen durchgeführt und dabei stellte sich heraus, dass es sich bei meinem Schwindel um einen Lagerungsschwindel handelte.
Man zeigte mir verschiedene Übungen, die ich regelmäßig durchführen sollte, was ich auch tat. Nach einer Woche war der Schwindel weg. Was blieb, war die Unsicherheit.

Nach dieser Erfahrung habe ich über den Schwindel nachgelesen und so manches darüber erfahren, was ich bisher so nicht wusste. Schwindel kann viele Ursachen haben und ist nicht immer leicht zuzuordnen. Mindestens 30 % aller Menschen haben im Laufe ihres Lebens Schwindel. Er ist eines der häufigsten Symptome, die Menschen dazu veranlassen, einen Arzt aufzusuchen. Meist ist die Ursache im Vergleich zu anderen Erkrankungen harmlos. Tritt Schwindel neu oder häufiger auf oder sind die Attacken heftig und andauernd, sollte man dringend einen Arzt zur Abklärung Die erste Adresse sollte der Hausarzt sein. Sicher werden noch weitere Ärzte konsultiert werden müssen, da die Ursachen und damit eine Diagnosestellung sehr schwer sein können. Hier ist es wichtig, dass man seinem behandelnden Arzt genau beschreiben kann, wie sich der Schwindel äußert.

Handelt es sich um eine körperliche Ursache, ist es meist ein gutartiger Lagerungsschwindel. Betroffene erleben plötzlich und unerwartet einen Drehschwindel, der oftmals in der Nacht beim Umdrehen kommt. Dieser Lagerungsschwindel kann beim Wechseln der Körperlage ausgelöst werden, weil sich kleine Steinchen oder Kristalle im Gleichgewichtsorgan von ihrem Platz gelöst haben. Sie gelangen in einen der Botengänge des Innenohrs und lösen einen Reiz an den Sinneszellen aus. Das Gehirn bekommt Impulse, die nicht mehr mit dem übereinstimmen, was der Sehreiz uns übermittelt. Die Folge ist ein starkes Schwindelgefühl.

Auch der Blutdruck kann eine Rolle bei Gleichgewichtsstörungen spielen. Oftmals berichten ältere Menschen, dass sie sich regelmäßig benommen fühlen. Hier kann es sein, dass der Kreislauf mit den verschiedensten Bewegungen nicht mehr klarkommt. So ist es möglich, dass ältere Menschen beim Aufstehen aus der Hocke Schwindel bekommen, weil das Blut in die Beine sackt und das Gehirn nicht mehr richtig durchblutet wird. Meist wird ihnen schummrig oder sie können auch für eine kurze Zeit das Bewusstsein verlieren. Wenn z. B. Medikamente gegen zu hohen Blutdruck eingenommen werden, kann sich das Problem verstärken. Hier sollte man mit seinem Arzt sprechen, ob diese Medikamente zu stark wirken oder ob man vielleicht auch zu wenig trinkt.

Liegen keine eindeutigen Hinweise auf körperliche Ursachen vor, kann es sich um einen sogenannten funktionellen Schwindel handeln. Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich, dass es enorm wichtig ist, dem Arzt mitzuteilen, wie sich der Schwindel geäußert hat.

Was ist Schwindel?
Das Gehirn sendet Alarm, das System, das für das Gleichgewicht sorgt, ist nicht in Ordnung. Es handelt sich um keine eigenständige Erkrankung, in der Fachsprache spricht man von einem sogenannten multisensorischen Syndrom. Es wird eine gestörte Wahrnehmung der verschiedenen Sinne sowie körperliche Unsicherheit empfunden, die mit einer Gleichgewichtsstörung einher geht.

Wann und wie tritt der Schwindel auf?
Nur bei körperlicher Anstrengung? Bei einer bestimmten Bewegung? Was wurde in letzter Zeit verändert? Hier könnten eine Sehschwäche oder neue Brille ein guter Hinweis sein.

Wie empfindet man den Schwindel?
Dreht sich alles, ist Übelkeit und Brechreiz mit dabei?

Wie lange dauert das Schwindelgefühl an?
Ist es ein Schwindel, bei dem sich alles dreht und der Stunden anhalten kann oder bleibt er nur für ein paar Sekunden oder ist es ein Dauerschwindel?

Welche Probleme entstehen durch den Schwindel?
Ist der Kopf klar? Bereitet das Gehen und Laufen Schwierigkeiten? Wie geht es beim Sitzen? Tritt eine Gangunsicherheit auf?


Kollabiert, ja oder nein?
Wenn der Kreislauf ohne Vorwarnung zusammenbricht und man dabei bewusstlos wird, ist oftmals die Kreislauf-Regulation gestört. Es kann sich hier auch um Herzrhythmusstörungen handeln.

Welche Beschwerden gibt es noch?
Der HNO-Bereich wird oftmals mit Schwindel in Verbindung gebracht. Neben der Benommenheit sind Hörstörungen wie Druckgefühl, Schmerzen, Hörverlust oder Tinnitus, die durch eine Innenohrent- zündung ausgelöst werden können, möglich. Gesellen sich zum Schwindel starke Kopfschmerzen und Übelkeit dazu, kann es sich um eine Migräne handeln. Gleichzeitig kann man licht- und lärmempfindlich sein, Sprach- und Sehstörungen können auftreten.

schwindel2.jpgWichtig:
Treten Sprachstörungen oder Lähmungserscheinungen in Gesicht, Armen und Beinen auf, bitte sofort den Notarzt holen. Es könnte sich um einen Schlaganfall handeln! Im Alter können aber auch Nervenentzündungen, Gefäßprobleme, Herz-Kreislauf-Störungen, Stoffwechselerkrankungen, psychische Leiden oder auch natürliche Abnutzungserscheinungen Schwindel auslösen.

Egal, ob es einem schummrig ist, oder man das Gefühl hat, auf einem Schiff mit hohem Wellengang zu sein, versetzt einen der Schwindel zuerst einmal in Angst. Das Aufstehen, Laufen, Bücken ist nicht mehr möglich, ohne sich festzuhalten. In jedem Fall ist es dringend notwendig, die Ursachen durch einen Arzt oder mehrere Ärzte aus den verschiedensten Fachbereichen abklären zu lassen. Denn Schwindel kann viele Ursachen haben.

Was kann man selbst tun?
Starke körperliche Erschöpfung vermeiden, um den Blutdruck zu stabilisieren. Ausreichend trinken. Regelmäßig essen, um Unterzuckerung zu vermeiden. Für ausreichend Schlaf sorgen.

Katharina Stang
Quellenangabe: Apotheken Umschau


← Zurück