Diabetesfuß

diabetesfuss1.jpgWie so oft versuchen wir, auch Themen aufzugreifen, die nicht unmittelbar etwas mit der Erkrankung Bauchspeicheldrüse zu tun haben, wie z. B. der diabetische Fuß.
Die Bauchspeicheldrüse produziert Hormone und Verdauungsenzyme und ist eine der größten Drüsen des menschlichen Körpers. Zusammen mit der Leber erfüllt sie zentrale Funktionen im Nährstoff- und Energiehaushalt. Neben der Verdauung wird vor allem die Blutzuckerregulation gesteuert.
Oftmals leiden unsere Betroffenen an einer besonderen Diabetesform, dem Typ 3 c mit Verlust der insulinproduzierenden Zellen. Das kann durch chronische Entzündungen der Bauchspeicheldrüse, operative Teil- oder Komplettentfernung der Bauchspeicheldrüse oder durch eine Tumorzerstörung bedingt sein.
Diabetes-Folgeerkrankungen können von Kopf bis Fuß entstehen, z. B. können Herz, Kreislauf, Augen, Gehirn, Zähne, Lunge, Nieren, Leber, Füße usw. betroffen sein.
Heute haben wir das Thema Füße in Augenschein genommen und werden im Laufe der Zeit weitere Themen in unserem Magazin behandeln.
Der menschliche Fuß besteht aus sieben Fußwurzelknochen, fünf Mittelfußknochen sowie 14 Zehenknochen. Sie sind durch 33 Gelenke miteinander verbunden und werden durch 20 Muskeln und 114 Bändern stabilisiert. Der Fuß ist der Bereich des Bewegungsapparates, der am meisten belastet wird, weil er den ganzen Menschen trägt.

Bei einem gesunden Menschen ist das kein Problem. Aber wenn bei einem Diabetiker der Blutzuckerwert über einen längeren Zeitraum erhöht ist, kann sich im Laufe der Zeit eine Neuropathie (siehe TEB Magazin Ausgabe 17) entwickeln.
Der Arzt spricht dann von einer diabetischen Neuropathie und das bedeutet, die Nerven der Beine und Füße sind geschädigt. Die Folgen sind nicht nur Kribbeln (Ameisenlaufen), Schmerzen, Brennen (Burning Feet) oder Stechen, sondern auch eine verminderte Sensibilität auf Temperatur und Berührung bis zu einem Gefühlsverlust in Beinen und Füßen. Eine reduzierte Schweißbildung sowie eine starke Neigung zur Schwielenbildung sind ebenfalls möglich. Außerdem lässt die Kraft in den Fußmuskeln, die von den Nerven gesteuert werden, nach.

Die Schäden breiten sich von der Fußspitze nach oben aus, wobei die Zehen als erstes betroffen sind. Eine Neuropathie kann zuerst die Muskeln im Fuß lahmlegen. Die Muskeln an der Wade arbeiten zu diesem Zeitpunkt noch, das heißt, sie ziehen an den vorderen beiden Zehengliedern, die aber durch die fehlende Muskelkraft nicht dagegenhalten können. Die Folge ist eine Krümmung. Man nennt diese Zehen dann Krallenzehen. Durch die Krümmung wird die Belastung des Fußes verändert und es entstehen Druckstellen.
Weil aber die Betroffenen wegen der Neuropathie oft keine Schmerzen spüren, bleiben die Druckstellen unentdeckt und es können sich schnell offene Wunden entwickeln. Diese heilen meistens schlecht ab oder können sich leicht infizieren, wodurch sich dann häufig tiefe Geschwüre (Fußulkus) entwickeln, die sich bis auf den Knochen ausbreiten. Im schlimmsten Fall kann eine Amputation erforderlich sein. Erschreckend ist, dass ungefähr 70 % der Amputationen (ca. 40.000 jedes Jahr) in Deutschland bei Patienten mit Diabetes durchgeführt werden.
Ebenfalls können durch das verringerte Schmerzempfinden kleine Brüche, etwa im Bereich der Fußwurzelknochen, nicht bemerkt werden. Dadurch können die Brüche zu akuten und chronischen Veränderungen der Fußgelenke führen, indem der Knochen an- und umgebaut wird und die Gelenke sich versteifen (Charcot-Fuß).
Doch Diabetes kann nicht nur zur Nervenschädigung, sondern auch zu Schäden an den Gefäßen in den Füßen und den Unterschenkeln führen. Man spricht dann von einer diabetischen Angiopathie oder auch einem ischämischen diabetischen Fuß.
Der erhöhte Blutzuckerspiegel des Diabetikers verursacht Schäden an der Innenwand der Blutgefäße. Auch Rauchen, Bluthochdruck oder erhöhte Cholesterinwerte zählen zu den gefäßschädigenden Faktoren.

diabetesfuss2.jpgDurch die kontinuierliche Schädigung der Gefäßinnenschicht wird der Durchmesser der Gefäße immer kleiner. Es fließt dann immer weniger Blut durch die Gefäße und das Gewebe wird nur noch unzureichend durchblutet und mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Durch den Durchblutungsmangel kann auch die Abwehrfunktion des Körpers beeinträchtigt werden und Bakterien und Pilze können leichter eindringen. Schon kleinste Wunden können ausreichen, dass Keime in den Körper eindringen und eine Infektion auslösen.

Die Zehen und die Fersen werden am schlechtesten durchblutet, dadurch können die Verletzungen besonders schlecht abheilen. Eine leichte Verletzung kann schon zu einem offenen Geschwür führen. Dabei entzündet sich das umliegende Gewebe oder stirbt sogar ab (Nekrose). Das Gewebe verfärbt sich dann pechschwarz und sieht wie verkohlt aus. Da bei einem ischämischen Fuß die Sensibilität bestehen bleibt, sind die Verletzungen sehr schmerzhaft.
Außerdem können die Beine (vor allem die Waden) beim Gehen schmerzen. Damit die Schmerzen zurückgehen, legen die Betroffenen eine kurze Pause ein. Da sie versuchen, ihre Gehpausen möglichst vor den Schaufenstern einzulegen, spricht man von der Schaufensterkrankheit.
Betroffene, die gleichzeitig an einer Durchblutungsstörung und einer Schädigung der Nervenbahnen leiden, weisen zwar die Anzeichen eines ischämischen diabetischen Fußes auf, können jedoch keine Schmerzen empfinden.
Das diabetische Fußsyndrom ist eine der schwersten Folgeerkrankungen bei Betroffenen mit Diabetes mellitus. Um ernste Fußprobleme wie die Amputation einzelner Zehen oder des ganzen Fußes zu verhindern, ist eine frühzeitige Behandlung wichtig. Das heißt, die Therapie sollte schon beginnen, bevor Wunden entstehen. Die Behandlung eines diabetischen Fußes kann nur dann erfolgreich sein, wenn die Ursache behoben ist. Das heißt, die Blutzuckerwerte müssen so gut wie möglich eingestellt werden, damit die Nerven- oder Gefäßschädigungen nicht weiter fortschreiten. Auch die Blutfettwerte, der Blutdruck und der Vitamin B1-Spiegel sollten regelmäßig kontrolliert werden. Die Kontrolle des Vitamin B1-Spiegels ist wichtig, da es ein Nervenvitamin ist und ein erhöhter Blutzuckerspiegel zu einem erhöhten Bedarf an Vitamin B1 führen kann.

Ebenfalls ist es möglich, dass die Nieren das Vitamin B1 bei einem Diabetiker vermehrt ausscheiden.

Die Nervenschädigungen können nicht geheilt werden, aber die Durchblutungsstörung kann mit verschiedenen Maßnahmen verbessert werden. Bei der Durchblutungsstörung kann man im Anfangsstadium durch Gymnastikübungen mit den Füßen und Zehen, Knieübungen und Radfahren die Beschwerden verbessern.

Betroffene mit Diabetes müssen ihre Füße gut im Auge behalten, denn nur durch eine tägliche Selbstkontrolle können Veränderungen frühzeitig erkannt und behandelt werden. Wichtig zu wissen ist, dass man jeden Morgen oder Abend genügend Zeit einplant, gutes Licht und einen Spiegel hat.
Kontrolliert werden sollten die Fußsohlen, die Zwischenräume der Zehen wie auch die Zehen selbst. Wenn Druckstellen, Blasen, Einrisse, Hornhautschwielen, rote Stellen oder Anzeichen von Fuß- oder Nagelpilz entdeckt werden, sollte der Betroffene umgehend einen Arzt aufsuchen. Wenn man sich den Fuß angeschlagen hat oder gestolpert ist, sollte man auch sofort überprüfen, ob es zu einer Verletzung gekommen ist. Dann sollte auf jeden Fall sofort ein Termin in der Fußambulanz vereinbart werden.

diabetesfuss3.jpgWährend der Behandlung eines diabetischen Fußes arbeiten neben Internisten, Diabetologen, Fußchirurgen auch spezialisierte Wundtherapeuten, Podologen und Orthopädietechniker zusammen. Solche multidisziplinären Teams in diabetologischen Schwerpunktpraxen oder Fußambulanzen ergänzen sich während der Behandlung. Gebündeltes Wissen und Kräfte der verschiedensten Experten sind enorm wichtig.
Eine regelmäßige Kontrolle beim Arzt sollte durchgeführt werden. Dieser entscheidet, ob eine podologische Therapie notwendig ist, um Folgeschädigungen an den Füßen zu verhindern. Er stellt, wenn es erforderlich ist, eine Heilmittelverordnung aus. Die Behandlung wird bis auf einen Eigenanteil von der Krankenkasse übernommen.
Haben sich bereits Entzündungen und Geschwüre gebildet, muss zunächst der Arzt die Behandlung durchführen. Der Podologe kann aber die Behandlung der Bereiche des Fußes übernehmen, die noch nicht geschädigt sind. Um die Füße besser zu schützen, kann der Diabetologe für Betroffene mit Durchblutungs- oder Nervenschädigungen spezielle Diabetesschutzschuhe und Einlagen verordnen. Diese werden bis auf einen Eigenanteil in der Regel von der Krankenkasse übernommen.


Da wir nur Selbsthilfe sind, bitten wir Sie, sollten Sie Veränderungen, wie wir sie beschrieben haben, feststellen, sprechen Sie Ihren Arzt so-fort darauf an, damit er die weitere Therapie und Behandlung veran-lassen kann.

Quellenangabe:
diabetischer-fuss.behandeln.de/diabetischer-fuss-therapie.html
netdoktor.de/krankheiten/diabetes-mellitus/diabetischer-fuss


Mechthild Maiß/Katharina Stang

← Zurück