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Lust am Essen

Lust_am_Essen.jpg„Die Lust am Essen ist ein Schlüssel für die Gesundheit und die Lebensfreude“

In vielen Beratungen und Gruppentreffen wird immer wieder von Betroffenen berichtet, dass sie keinen Hunger und keinen Appetit verspüren.


Doch was ist Hunger oder was ist Appetit?



Hunger ist eine körperliche Empfindung, die wir spüren und die uns Menschen veranlasst, Nahrung aufzunehmen. Die biologische Funktion dieser Empfindung „Hunger“ besteht darin, den Organismus mit Nährstoffen und Energie ausreichend zu versorgen und damit auch sicherzustellen, dass Körper und Geist gut funktionieren können.
Schmerzen sowie nachlassende Sinneswahrnehmung können dazu beitragen, dass die natürliche Empfindung Hunger gestört ist und Betroffene das Essen vergessen oder verweigern.
Wenn Essen nur noch bedingt möglich ist und der Körper nicht mehr ausreichend mit Nahrung versorgt wird, können die Folge Mangelernährung, hohe Gewichtsabnahme, totale Erschöpfung, Antriebslosigkeit, Aszites und Tumorkachexie sein.
Betroffene berichten über eine sehr eingeschränkte Mobilität. Ihre Lebensfreude und Lebensqualität lassen rapide nach, Behandlungen und  Therapien werden oftmals schlechter angenommen und vertragen.


Sind Hunger und Appetit dasselbe?



Ich sage nein!
Appetit ist die Lust und das Verlangen nach Nahrung. Er ist von Stimmungen und Empfindungen abhängig. Starke Sinnesreize, guter Essensduft und geschmackvolle Lebensmittel können den Appetit anregen. Schlechte Gerüche, zu volle Teller und unansehnliches Essen können dagegen den Appetit verderben. Im Volksmund sagt man: „Der schlechte Geruch hat mir den Appetit verdorben“. Die Folge kann Ekel sein.
Appetit steuert die Auswahl der Lebensmittel, die wir zu uns nehmen und lässt uns das Essen und Trinken gut vertragen. Der Körper signalisiert die eigenen Bedürfnisse. So kann es sein, dass Betroffene mit einer Erkrankung der Galle oder der Leber eine starke Abneigung gegen Fett haben und dies deshalb stark reduzieren.
Bei Erkrankungen des Magen- Darm-Traktes tritt oftmals Abneigung oder Ekel gegen Essensgerüche oder Speisen auf, die vor der Erkrankung mit Vorliebe gegessen wurden. So kann es sein, dass sich der Geschmack plötzlich verändert und statt wie bisher süß jetzt lieber sauer oder salzig gegessen wird oder das Essen bitter und fad schmeckt. Betroffene wollen nichts mehr essen, sie verlieren die Lust am Essen! Deshalb sollte man versuchen, Betroffene, die keinen Hunger und keinen Appetit verspüren, wieder an das Essen heranzuführen. Druck und das permanente „Iss doch wenigstens ein paar Löffel“ bringen nichts. Betroffene fühlen sich zu etwas gezwungen, was sie auf Grund ihrer Erkrankung nicht können. Es entsteht eine psychische Überforderung.
Stattdessen sollten wir gemeinsam nach Wegen suchen, dass Betroffene wieder Freude am Essen finden. Starke Gerüche, der Gang in die Küche während des Kochens, zu volle Teller und unappetitlich angerichtetes Essen sollten unbedingt vermieden werden. Man sollte immer daran denken, dass das Auge mit isst.
Es kann eine Angst entstehen, die dem Betroffenen jeglichen Appetit nimmt. Daher müssen Schmerzen vor oder nach dem Essen unbedingt vom Arzt abgeklärt werden.

Lebensqualitaet.jpg

Lebensqualität!
Im Volksmund heißt es, Essen und Trinken sind Lebensqualität, doch ist das auch so? Für Kranke bedeutet Lebensqualität grundsätzlich etwas anderes als für gesunde Menschen. Lebensqualität hat auch etwas mit Nähe zum Leben, zum Partner, zu den Kindern und Enkeln und dem Beruf zu tun. Sie gibt Sicherheit und Geborgenheit. Lebensqualität kann z. B. Geborgenheit, Vertrauen, Familie, Garten, Reisen, Essen, Freunde, Tiere und Lesen sein, jeder entscheidet selbst, was für ihn Lebensqualität ist.



Lebensqualität sollte bei allen Menschen
an oberster Stelle stehen!



Welche Bedeutung haben Essen und Trinken? Die richtige und ausreichende Ernährung und Flüssigkeitszufuhr sind lebensnotwenig. Ohne zu trinken kann ein Mensch nur wenige Tage, ohne zu essen nur wenige Wochen überleben. Einen guten Ernährungszustand kann man vergleichen mit einem Fundament; ist dieses schief oder gar brüchig, wird es schwer sein, ein Haus darauf zu bauen. Deshalb sind eine ausgewogene und ausreichende Ernährung und die richtige Einnahme der Enzyme (wenn erforderlich) wichtig.
Bei einem Menschen, der unterversorgt und ausgezehrt ist, gerät der gesamte Organismus in eine kaum  wieder zu behebende Schieflage. Der Mensch verliert stetig an Kraft, Mobilität und Lebensenergie. Er wird lustlos, teilnahmslos und apathisch. Notwendige Operationen, Behandlungen und Therapien können auf Grund der Mangelernährung oftmals nicht durchgeführt werden und die gewünschten Erfolge bleiben aus. Durchgeführte Operationen weisen häufig mehr Komplikationen auf, Chemotherapien werden schlechter vertragen und es treten oftmals mehr Nebenwirkungen auf.
Der Betroffene befindet sich sehr oft in einem totalen Erschöpfungszustand.

Wir bei TEB bemühen uns, Betroffenen wieder die Lust am Essen zu vermitteln. Sie dürfen das Essen nicht verlernen! Deshalb führen wir einen spezifischen Kochkurs (gefördert durch die Fa. Mylan) durch, in dem kranke und gesunde Menschen gemeinsam kochen. Es wird ihnen gezeigt, wie man schmackhaftes Essen zubereitet und ansprechend serviert. Wir von TEB wissen auch, dass es  wichtig und sinnvoll ist, das Thema Ernährung nie aus den Augen zu verlieren.
Es ist eine Tatsache, dass fast jeder Betroffene, der an Bauchspeichel- drüsenkrebs erkrankt ist, im Laufe seiner Erkrankung Probleme mit dem Essen bekommt.
Eine regelmäßige Gewichtskontrolle (BIA-Messung) ist dringend anzuraten. Bei einer Abnahme des Körpergewichtes von 5 % innerhalb der letzten sechs Monate sollte man unbedingt mit seinem behandelnden Arzt sprechen. Oftmals ist eine enterale oder parenterale Ernährung zwingend notwendig. Aus unserer Sicht und Erfahrung sind Ernährung und körperliche Betätigung sehr, sehr wichtig - sie können die Lebenszeit deutlich verlängern und die Lebensqualität verbessern.

Katharina Stang