IPMN-Tumore (intraduktale papillär-muzinöse Neoplasie)

Serioeses_Zystadenom.jpgIn der Bauchspeicheldrüse können verschiedene Raumforderungen (Neoplasien, Tumore) entstehen. Eine Form dieser Raumforderungen sind zystische Raumforderungen bzw. zystische Tumore, d. h. flüssigkeitsgefüllte Hohlräume. Die Mehrheit dieser zystischen Raumforderungen sind harmlose Zysten oder Pseudozysten mit regelmäßig klarer Flüssigkeit. Man vermutet, dass etwa  2 % der Bevölkerung solche zystischen Raumforderungen in der Bauchspeicheldrüse besitzen. Zu einer Untergruppe der zystischen Raumforderungen zählen die serösen Zystadenome, muzinöse Zystadenome und das IPMN. Der Inhalt des IPMN ist muzinös, d. h. er besteht aus einem zähen, schleimigen Sekret. Die IPMNs sind deswegen bedeutungsvoll, da sie als Vorstufen von Krebs der Bauchspeicheldrüse verstanden werden. Die IPMNs werden unterschieden in Hauptgang- und Seitengang-IPMNs sowie gemischte Typen. Hauptgang-IPMNs haben ein bösartiges Entartungsrisiko von etwa 70 % und sollten deshalb immer operiert werden.

Zystischer-Tumor.jpgDie Vorgehensweise bei den Seitengang-IPMNs, die ein bösartiges Entartungsrisiko von etwa 30 % besitzen, ist dagegen umstritten. Nach den sogenannten Sendai-Kriterien können Seitengang-IPMNs dann konservativ (engmaschige Kontrollen, Beobachtung) behandelt werden, wenn sie einen Durchmesser von weniger als 3 cm aufweisen, asymptomatisch sind und keine morphologischen  Risikobefunde für eine bösartige Entartung vorliegen (wandständige Knoten, Erweiterung des Hauptgangs, negative Zytologie).

Unterschieden werden die IPMNs auch aufgrund ihres  biologischen Verhaltens. Der Typ A ist gutartig (Adenom), der Typ B befindet sich in einer Zwischenstufe zur Bösartigkeit (Borderline), der Typ CIS (Carcinoma in situ) ist beginnend bösartig.

An Symptomen können bei den Betroffenen Bauchschmerzen, Druck- und Völlegefühl, Übelkeit, Erbrechen, Fettstuhl, Gelbsucht sowie Gewichtsverlust auftreten, was an eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) denken lässt. Im weiteren Krankheitsverlauf kann sich auch eine Insuffizienz der Bauchspeicheldrüse entwickeln (Mangel an Verdauungsenzymen, Diabetes). Diese Symptome sind aber nicht spezifisch für ein IPMN. Mindestens ein Drittel der Betroffenen zeigt keinerlei Symptome, so dass oft der Tumor einen Zufallsbefund darstellt.

Zur Diagnostik eingesetzt werden die Endosonographie (Ultraschall von innen über den Magen) ggf. mit Punktion, das CT (Computertomographie), die MRT (Mag- netresonanztomographie) und die ERCP (endoskopische retrograde Cholangiopankreatikographie). Eine sichere Artdiagnose über die Bösartigkeit eines IPMN könnte jedoch nur über eine Punktion (Probeentnahme) erreicht werden. Solche Probeentnahmen sind aber einerseits nicht unproblematisch (Risiko der Ausbildung von Entzündungen, Fisteln, Blutungen), zum anderen kann auch eine Zystenflüssigkeitsanalyse eine bösartige Entartung nicht sicher ausschließen. Auch die Tumormarker (CA 19-9, CEA) sind diagnostisch nicht geeignet. Letztlich kann eine sichere Abklärung nur auf dem Wege einer Operation erreicht werden.

IPMN_Bauchspeicheldruese.jpgDie Operationsmethode richtet sich nach Befund, Ausdehnung und Lage des IPMN sowie dem Risiko der Bösartigkeit. Insofern ist eine Ausschälung (Enukleation) regelmäßig nicht möglich, da die zu operierenden Befunde dafür zu groß sind. Da sich die meisten IPMNs, etwa 65 %, im Kopf der Bauchspeicheldrüse befinden, wird regelmäßig die pyloruserhaltende Kopfresektion nach Kausch-Whipple durchgeführt. Dabei werden der Kopf der Bauchspeicheldrüse, der Zwölffingerdarm und der untere Gallengang mit der Gallenblase entfernt unter Erhalt des Magens. Etwa 24 % der IPMNs befinden sich im Körper (Mittelteil) der Bauchspeicheldrüse. Hier ist eine Bauchspeicheldrüsensegmentresektion möglich. 11 % der IPMNs befinden sich im Schwanz der Bauchspeicheldrüse, so dass hier eine sogenannte Linksresektion erforderlich ist. Dabei werden der Schwanz der Bauchspeicheldrüse und meist auch die Milz entfernt. Nur in ganz bestimmten Einzelfällen ist eine Entfernung der gesamten Bauchspeicheldrüse nötig.

Joachim Horcher


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